Wie die Politik uns vor Kinderpornographie schützen will (anstatt die Kinder davor zu schützen…)

Eigentlich ist es ja schon absurd, so einem technisch eher unterbelichteten Politiker noch ein Forum zu geben – aber seine aktuelle Verlautbarung ist wiederum so hanebüchen, dass ich wohl nicht anders kann…

Worum es geht? Um den Herrn Uwe Schünemann (CDU, Innenminister des Landes Niedersachsen, siehe auch Wikipedia-Eintrag), der laut einem bei Heise.de gefundenen Beitrag fürwahr ungewöhnliche Ideen hat, um Kinderpornographie zu bekämpfen. Leider hat Heise.de die Quelle nicht gekennzeichnet, im allgemeinen sind die Damen und Herren dort aber seriös genug, um ihnen zu glauben.

Seine Idee (grob verkürzt):

  1. Alle Internetprovider “freiwillig” verpflichten, ihren Kunden nur noch bei Verwendung eines Contentfilters Internetzugang zu ermöglichen.
  2. Damit den Zugriff auf Kinderporno und anderen rechtswidrigen Inhalt unterbinden.

Ein Zitat hat Heise.de auch noch beigesteuert:

Mit dieser Selbstverpflichtung wird bereits beim Internet-Kunden die Möglichkeit zum Zugriff auf kinderpornografisches Material unterbunden

sagte Schünemann.

Das ist deutlich besser, als wenn die Sicherheitsbehörden mühevoll jeden Verstoß gegen Kinderpornografie aufspüren und verfolgen sowie die Sperrung jeder kinderpornografischen Seite erreichen müssen.

Auf den ersten Blick könnte man sich die Frage stellen, was denn neben der technischen Unkenntnis des Mannes daran zu kritisieren wäre, ist doch “Fight against child porn” stets ein hehres Ziel. Ja, ein hehres Ziel ist es, gleichwohl heiligt der Zweck eben nicht die Mittel. Es summieren sich da ein paar Probleme, die m.E. ein wenig beeindruckendes Licht auf den Innenminister Niedersachsens werfen:

  1. Der Vorschlag ist technisch kaum überhaupt durchführbar und greift, wenn überhaupt, nur auf Deutschem Staatsgebiet.
  2. Der Vorschlag kommt der Einführung einer flächendeckenden Inhaltskontrolle gleich, die mit unserem Rechtsstaat keinesfalls zu vereinbaren ist.
  3. Bekämpfung von Kinderpornographie und der widerlichen Machenschaften der Drahtzieher ist keineswegs gleichzusetzen mit dem Ausblenden des illegal entstandenen Materials.
  4. Die Aussage, dass eine vorsorgliche Filterung “immer noch besser sei” als “mühevoll jeden Verstoß gegen Kinderpornografie aufspüren und verfolgen” zu müssen, ist zynisch – und das ist noch arg euphemistisch formuliert.

Das passt aber eigentlich ganz gut ins Bild bei Herrn Schünemann -er war ja bereits aufgefallen mit einem Gesetz zur “präventiven Telefonüberwachung”, einem Vorschlag für elektronische Fussfesseln und Bürgerwehren, diversen unqualifizierten Forderungen zum “Verbot von Killerspielen”. Ferner zeichnete sich Herr Schünemann durch einen eher lockeren Umgang mit Bürgerrechten aus, wenn nur das Wort “Terrorbekämpfung” fiel. (Alles nachzulesen im o.g. Wikipedia-Artikel und durch eine kurze Google Suche).

Erschreckend ist ja daran gar nicht, dass jemand groben Unsinn redet, um sich wichtig zu tun – das tun jeden Tag Millionen Menschen am Kneipentresen. Nun gut, etwas Differenzierung tut vielleicht Not: Diese Menschen machen zumeist keine Gesetze und sind nicht als Innenminister tätig, ergo haben ihre Halbwahrheiten nicht allzu grosse Konsequenzen.

Stellt sich die Frage, warum man eigentlich als Politiker nicht eine gewisse fachliche Eignung nachzuweisen hat. Das wäre auch nur fair – Wenn ich in Deutschland ein Segelbötchen oder auch nur eine Mofa fahren will, brauche ich einen entsprechenden Führerschein, wenn ich Hunde züchten mag eine entsprechende Lizenz etc. pp…

PR mit Hang zur Übertreibung bei RedDot

Die Firma RedDot hat sicher umfangreiche Erfahrungen in der Softwareentwicklung – in Sachen PR kann man dort aber m.E. noch etwas dazu lernen:

In einer aktuellen Newsmeldung berichtet man von der umfangreichen Nutzung des RedDot CMS bei der Bertelsmann Stiftung.

Hieran ist erstmal überhaupt nichts auszusetzen: In der Tat verwendet die Bertelsmann Stiftung in verschiedenen Projekten das RedDot CMS und bringt damit professionell ihre Inhalte ins Web. Die Seiten laufen flott, sehen gut aus – alles prima.

Ein wenig überraschend fand ich jedoch die folgenden zwei Teaser, die ich auf der Website gesehen habe:

Die hierin enthaltene Aussage, nach der die Bertelsmann Stiftung für alle Webprojekte RedDot einsetze, ist leider unkorrekt. Eine kurze Google-Suche nach Websites, bei denen im Impressum die Bertelsmann Stiftung als verantwortlich genannt wird, fördert einiges an Belegen zu Tage. Die folgende Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit – zeigt aber, dass diverse Projekte der Stiftung auf Open Source Software setzen und somit vom RedDot CMS so weit entfernt sind wie Linux von Microsoft:

Ach ja – auch die von uns realisierte Krankenhaussuche “Weisse Liste” basiert mit dem papaya CMS natürlich auf Open Source Software ;-)

Vermutlich würde eine weitere Suche noch mehr Beispiele liefern, bei denen eben nicht RedDot im Einsatz ist. Dies ist wenig überraschend bei einer so aktiven Organisation mit vielen Projekten.

Umso mehr verwundert es, dass man bei RedDot so unpräzise bzw. irreführend kommuniziert, hätte man doch mit der “Corporate Website” und dem Intranet der Stiftung bereits zwei sehr nette und wichtige Referenzen zur Verfügung gehabt…

Die Qualität von Quellcode – und wie Angst zur Verbesserung beitragen kann…

Im Perl-Blog befasst sich Alvar Freude in einem Artikel auf ernsthafte und gleichzeitig unterhaltsame Weise mit der Qualität von Quellcode. Im Rahmen eines Plädoyers für gute Codequalität wird dort folgendes Zitat wiedergegeben:

Schreib deinen Code, als würde er auf’s CPAN kommen.

Das macht erstmal Sinn – in der PHP Welt wären wohl die PEAR Coding Standards das Äquivalent (z.B. sind auch die Coding Standards des papaya CMS in Anlehnung an die des PEAR Projekts entstanden).

Um dem ganzen im o.g. Blogpost noch mehr Gewicht zu verleihen, erfolgt ein weiteres Zitat:

Codieren Sie immer so, als wäre der Typ, der den Code pflegen muss, ein gewaltbereiter Psychopath, der weiß, wo Sie wohnen.

Doch, auch das ist noch steigerungsfähig:

Und dem möchte ich noch hinzufügen: es handelt sich bei dem gewaltbereiten Psychopathen um den mit der Kettensäge …

Sehr bildhaft, sehr wahr, sehr schön ;-)

typo3 verliert Nutzerdaten :-(

Die Website Typo3.org hat leider Nutzerdaten verloren bzw. ist gehackt worden :-(

Registrierte Nutzer bekamen heute folgende Mail zugesandt:

This is an important security warning. You are receiving it because your email
address is registered on the TYPO3.org website.

We have to inform you that an unauthorized person has gained administrative
access to the TYPO3.org website.

The offender had access to website user details including their passwords, and
there have been reports of this data being used to access other websites.
It also has to be expected that the data may have been disclosed to third
parties.

The attacker has been identified, and the TYPO3 Association has started to
take legal action on the issue.

Important!
IF YOU HAVE USED THE SAME PASSWORD ON ANY OTHER SITE, PLEASE CHANGE IT
IMMEDIATELY!

In a first step, all login accounts on TYPO3.org have been locked and will
require a new password. We are currently working on an improved login
procedure and will let you know when this is ready. Until then, you will not
be able to log into the Community section of TYPO3.org.

We have set up an FAQ page at http://typo3.org/about/faq/t3org-issue/
The page may be updated with new questions from time to time, so make sure to
check back before replying to this mail.

We apologize for the inconveniences and troubles that this might cause to you.

TYPO3 Association

Bevor jemand falsche Schlüsse zieht: Nein, wir freuen uns nicht, wenn den Kollegen bei typo3 so etwas passiert. Gut, wenn es jetzt ein großer “Fensterhersteller” aus den USA gewesen wäre…. :-)

OXID eSales veröffentlicht den eShop als Community Version unter der GPL!

Die Kollegen von OXID (Hersteller des gleichnamigen und m.E. sehr guten Shopsystems) haben aktuell einen historischen Schritt gewagt:

Der OXID eShop ist ab sofort in einer Community-Version unter der GPL Lizenz kostenlos verfügbar!

Dies ist sicher eine gute Entscheidung, gleich aus welcher Perspektive man das betrachtet:

OXID kann so seine insbesondere in Deutschland sehr gefestigte Position sichern und muss weniger Angst vor dem Open Source “Emporkömmling” Magento haben. Der Wettbewerb zwischen solchen grossen und hochwertigen Shopsystemen bleibt spannend und wird – Konkurrenz belebt das Geschäft – zu noch besserer Qualität und neuen Funktionen führen. Und, klar, die Community profitiert und kleine Unternehmen werden in die Lage versetzt, mit guter Software in das Onlinebusiness einzusteigen.

Dass Open Source für gut befunden wird, brauche ich hier in diesem Blog wohl nicht gesondert zu betonen – daher: Glückwunsch, liebes OXID-Team! Ich wünsche Euch, dass Ihr diese Entscheidung ebenso wenig bereuen werdet wie wir ;-)

Diese neue Strategie wird, gerade bei der bervorstehenden Krise und den nun wohl zu erwartenden Budgetkürzungen auf Kundenseite sicher sinnvoll sein.

Die Geschäftsleitung formuliert das wie folgt:

„Mit der heutigen Veröffentlichung unserer Shop-Lösung unter OpenSource-Lizenz schlagen wir ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte auf,” erklärt Roland Fesenmayr, Vorstandsvorsitzender OXID eSales AG. „Wir sind überzeugt, dass wir mit OpenSource-Entwicklungsmethoden unseren Kunden und Partnern in hoher Geschwindigkeit marktgerechte Software-Lösungen mit optimaler Qualität liefern können.”

Neben dem nun kostenlosen Produkt “eShop Community Edition” gibt es weiterhin den Mietshop (“OXID eShop easy”) sowie die kommerziellen Produktvarianten “OXID eShop Professional Edition” und “OXID eShop Enterprise Edition”. Einen direkten Produktvergleich bzw. eine Vergleichsmatrix habe ich auf der Website leider nicht finden können.

Bisher deutet aber nichts darauf hin, dass die Community Edition sog. “Crippleware” ist. Wir werden das zeitnah genau untersuchen…

Bei aller “Bescheidenheit”: wir haben ja bereits vor gut 3 Jahren die Entscheidung getroffen, das papaya CMS unter die GPL Lizenz zu stellen – was m.E. eine der besten Entscheidungen der Unternehmensgeschichte war :-)