Und die Welt ist doch gut – Open Source Engineering als Antwort auf die Herausforderungen von Entwicklungs- und Schwellenländern

Wir machen seit vielen Jahren Open Source, nutzen Open Source, leben Open Source. Wobei, stimmt das? “Leben” wir wirklich Open Source, übertragen wir den Open Source Gedanken auf weitere Lebensbereiche, glauben wir wirklich immer daran, dass Sharing die Welt zu einem besseren Platz macht?

Zumindest das Team von Open Source Ecology tut das und wenn man sich fragt, was man nach der Softwarebranche unbedingt nochmal gemacht haben sollte: siehe oben ;-)

Das Open Source Ecology Netzwerk hat in den 2 Jahren seit Bestehen das sogenannte “Global Village Construction Set” entwickelt. Das ganze stellt eine als Open Source verfügbare, günstige und leistungsstarke technologische Plattform dar, mittels derer im do-it-yourself-Verfahren mehr als 50 verschiedene landwirtschaftliche oder industrielle Maschinen und Geräte gebaut werden können. Die Auswahl der konstruierten Maschinen orientiert sich daran, was was man für die Landwirtschaft, den Hausbau und die Herstellung wichtiger Güter benötigt.

Die Idee: Ein lebensgroßes “Lego-System”, mit dem man Menschen das Leben vereinfachen kann – in der ersten, aber auch und gerade in der dritten Welt. Finanziert 100%ig durch Crowd-Funding. Whow.

Ganz schön viele warme Worte. Und eigentlich braucht man für das Konzept nur eine viel knappere Einführung, zumindest war es das, was mich sofort begeisterte:

  1. Die Konstruktionspläne als Open Source.
  2. Die Videos.

Google Street View und der LDI NRW (Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit)

Ich bin erstaunt – wenngleich die Datenschützer (m.E. zu Recht) Google Street View das Leben bisweilen schwer gemacht haben, hat der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW anscheinend darauf verzichtet, das Bürogebäude verpixeln zu lassen:

Lobbying de luxe: Open Source freundliche Staaten sind böse!, so die IIPA

Das ist in der Tat eine interessanter Ansatz der amerikanischen “International Intellectual Property Alliance (IIPA)” (siehe auch http://www.iipa.com/, wobei die Website aktuell zumeist down ist…): In ihrem Kampf gegen “das Böse” Open Source versucht man nun, “Open Source freundliche” Staaten in den “Special 301 review” aufnehmen zu lassen.

Aber Punkt für Punkt: Wer genau ist die IIPA überhaupt? Die englische Wikipedia hat folgendes für uns:

The International Intellectual Property Alliance (IIPA), formed in 1984, is a private sector coalition of seven trade associations representing U.S. producers of content and materials protected by copyright laws, including computer software, films, television programs, music, books and journals (in both electronic and print media), with the aim of strengthening international protection and enforcement of copyright by working with U.S. government, foreign government and private sector representatives.

(…)

Andres Guadamuz, a lecturer in law at the University of Edinburgh discovered that IIPA is asking the US government to basically consider open source as the equivalent of piracy. IIPA is urging the United States government to consider countries like Indonesia, Brazil and India to be enemies of capitalism because of their use of open source software.

(…)

OK – eine Lobbygruppe, wie Eingangs bemerkt. Was genau ist nun dieser 301er Report (klingt ja fast nach 404er Fehler…)?

Dieser sogenannte “Special 301 review” des Handelsbeauftragten (USTR = US-Trade Representative) erscheint jährlich und enthält eine Liste derjenigen Staaten, die US-Exporte behindern (Quelle) oder die keine Vereinbarungen mit der WIPO geschlossen haben bzw. die in ihrer eigenen Gesetzgebung keinen genügenden Schutz vor Urheberrechtsverstößen bieten.

Ok, soweit die Grundlagen. Was ist nun genau passiert? Golem.de hat sich freundlicherweise die Mühe gemacht, den entsprechenden Teil des Berichtes zu übersetzen, das übernehme ich hier mal:

In einem Bericht wirft die IIPA der indonesischen Regierung vor: “Indem die Regierung die freie Auswahl eingesetzter Technologie verhindere, schafft sie neue Handelsbarrieren und schränkt den gleichberechtigten Zugang aller IT-Firmen zum Softwaremarkt ein.” Bezeichnenderweise kam die Empfehlung der indonesischen Regierung im Rahmen einer Aktion, die Softwarepiraterie im Land verhindern sollte. Viele öffentliche Einrichtungen verwenden illegal proprietäre Software. Die Regierung hatte in einem Rundschreiben angemahnt, entweder die illegalen Kopien durch den Kauf von Lizenzen zu legalisieren oder – wenn praktikabel – alternativ auf die Verwendung freier Software umzusteigen.

(Quelle: Golem.de)

Eigentlich kann das unmöglich deren Ernst sein -aber, wie Lobbyisten das so an sich haben: Man meint das anscheinend wirklich ernst.

Stellt sie die Frage, ob die US-Regierung bzw. ihr Handelsbeauftragter nun vor den Karren der IIPA spannen lässt oder nicht. Was Unternehmen wie IBM, RedHat, Sun & Co., für die Open Source durchaus ein Baustein der Company ist, dann davon halten ist die nächste Frage – zumindest müssten die USA dann konsequenterweise auch auf der 301er Liste auftauchen ;-)

Ganz großartig und prägnant bringt das Dr. Oliver Diederich vom Heise Verlag auf den Punkt, in dem er auf Heise.de schreibt:

(…)

Nun kann man ja verstehen, dass die BSA – zu deren Mitgliedern unter anderem Adobe, Corel, Microsoft und SAP gehören – es doof findet, wenn Regierungen in Schwellenländern ihre Rechner lieber mit Linux und Open Source fahren, statt Geld für Softwarelizenzen auszugeben.

(…)

Aber eine mögliche Wettbewerbsverzerrung durch die Bevorzugung von Open Source als Gefahr für die Durchsetzung von Copyright-Ansprüchen zu präsentieren, das ist eine starke Nummer. Open Source als Gefahr für das Copyright? Nur ein paar Fakten zur Erinnerung: Die GPL nutzt gerade das Urheberrecht, um die Freiheit GPL-lizenzierter Software zu schützen. Viele Open-Source-Projekte (vor allem solche, hinter denen Unternehmen stehen) akzeptieren nur Code-Beiträge von Autoren, die ihr Copyright (beziehungsweise alle relevanten Verwertungsrechte) an das Projekt abgeben – eben weil das Copyright bei Open Source nicht egal ist.

Kurzum: Hier wird versucht, ein handelspolitisches Ziel – den freien Zugang zu bestimmten Märkten – mit einem politisch gerade angesagten Thema – die bessere Durchsetzung “geistiger Eigentumsrechte” – zu verknüpfen. “Kampf gegen die Internet-Piraterie” klingt ja auch besser als “Sicherung als der eigenen Pfründe”.

Quelle: Heise.de

Sehr lesenswert dazu auch:

In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten

Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.

Art. 11 Abs. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948

Jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig.

Art. 6 Abs. 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention

Gerade eben auf heise.de schockiert folgende Aussage der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries gelesen:

… Eine Strafbarkeit liege schon in dem Moment vor, wenn er nicht nachweisen könne, dass es sich um ein Versehen oder eine automatische Weiterleitung gehandelt habe. Generell mache sich strafbar, wer es unternehme, sich kinderpornografische Bilder und Schriften zu beschaffen. Die Strafandrohung liege dabei bei zwei Jahren. …

Man muss also beweisen das man unschuldig ist.

Wie soll man beweisen, dass jemand anderes per IP-Spoofing eine Zugangserschwerte Seite mit meiner IP aufgerufen hat?

(mit freundlicher Genehmigung von Tobias, gefunden hier)

Nun aber: Michael Monty Widenius verläßt MySQL / Sun

Nach der nun schon länger zurück liegenden Übernahme von MySQL durch Sun gab es natürlich schnell die Frage nach der Zukunft des MySQL Gründers Michael “Monty” Widenius – und ebenso schnell das Gerücht, er wolle sein Unternehmen verlassen.

Diese o.g. Gerüchte stellten sich dann doch als etwas übereilt heraus – gleichwohl gaben sie die Richtung korrekt vor. Jetzt hat Monty Widenius in einem aktuellen Blogeintrag über die neusten Entwicklungen berichtet. Und das liest sich spannend.

Unter dem Titel “Time to move on” startet er so:

I have now departed from Sun and joined my own company, Monty Program Ab.

Er hat also ein neues Unternehmen gegründet, die “Monty Program Ab“. Was diese genau tun soll, bleibt etwas nebulös und macht gleichzeitig neugierig:

This page will soon contain a lot of information and links to give you an idea of what Monty Program Ab does.

  • The Maria engine, a transactional storage engine for MySQL.
  • Mariadb, a branch of the MySQL database with the Maria storage engine.
  • NRE (Non-recurring engineering) projects we are working/considering to work on.
  • Open jobs.

We are also interested to work with and invest in disruptive technology start-up companies that do Open Source and community products. This is done through our investment company Open Ocean S.á.r.l

Nach Ruhestand klingt das nicht ;-)   Gerade die Planungen für die “Monty Program Ab” lesen sich spannend. Augenscheinlich hat Monty nach Jahren des Wachstums mit anschließendem Exit beim Verkauf von MySQL an Sun nur wenig Spass an der größer und somit unflexibler, uncooler werdenden Firma MySQL gehabt. Anders lassen sich solche Aussagen kaum deuten:

So what will Monty Program Ab and I be working on?

Monty Program Ab will be a true open source company, with the additional goal of being a smaller family oriented company (10-30 employees) where everyone can be owners of the company, where we care about our employees and
strive to have fun together and share the profit we create. You can find more about this at: http://zak.greant.com/hacking-business-models

Der Link ist lohnenswert, hier haben Monty und Zak Greant nämlich zusammen an einem “Manifest für Open Source Unternehmen” gearbeitet. Das erscheint in der Form nicht aus dem Stand umsetzbar (weil z.B. international ganz andere Rahmenbedingungen für Steuern/Abgaben und Dinge wie Krankenversicherung gelten. Gleichwohl ist es ein visionäres Dokument, dass als Denkanstoss nützt. Und, findet man ein Team von vielen stark unternehmerisch denkenden Köpfen, kann man sich das schon vorstellen. Yes, we can? :-)

Monty bleibt der Softwarebranche also erhalten, klasse. Nebenbei scheint Monty Widenius sein mit dem Exit aus MySQL erhaltenes Kapital sinnvoll in andere Companies einbringen zu wollen und wird Venture Capital Geber bzw. Inhaber eine VC Firma. Dieses neue Baby des MySQL Gründers hört auf den Namen “Open Ocean” und ist auch die juristische Person hinter Montys erstem Investment in die Fa. IT Mill (siehe Blogpost dazu).

Neben der Vorstellung der neuen Aktivitäten erläutert Monty noch, was ihn offiziell zum Abschied von Sun bewogen hat. Die sehr detaillierte Begründung übernehme ich ausnahmsweise mal 1:1 und unübersetzt hier ins Blog:

I had told management that I thus would be submitting my resignation immediately as I strongly believed that the 5.1 release was not ready and that those problems needed to be fixed before it went GA. This action, together with other peoples´ efforts, did have the wanted effect and I made an agreement with Sun´s upper management to not initiate my resignation but instead stay around for three more months to help Sun work out things in MySQL Development and also give Sun a chance to create an optimal role for me within Sun.

The three months did stretch out to seven months, and the changes I had hoped Sun would apply to in the MySQL Database group to fix our development and community problems did not happen fast enough.

Sun and I concluded in the end that I have much higher chances of achieving my goals outside of Sun, so it’s just better to swallow the bitter apple, go out and get things going. We parted in good terms and we both expect to continue to do business and work together.

The main reason for leaving was that I am not satisfied with the way the MySQL server has been developed, as can be seen on my previous blog post. In particular I would have like to see the server development to be moved to a true open development environment that would encourage outside participation and without any need of differentiation on the source code. Sun has been considering opening up the server development, but the pace has been too slow.

I still think that Sun was the best possible buyer for MySQL and I feel sad that things didn’t work out together. Sun has a lot of good things going on and I hope that they will continue their path to create and promote Open source. I will be available for Sun in helping them with their goals in the Open source space.