E-Learning Plattform „Oppia“ vorgestellt (powered by Google)

Nachdem seit einer gefühlten Ewigkeit (15 Jahre? 20?) immer mal wieder „eLearning“ als Trend des Jahres oder auch der Dekade erklärt wurde, entwickelt man ja fast eine gewisse Resistenz gegenüber des Themas.

Gerade hat aber Google ein ganz interessantes Projekt vorgestellt: Oppia.

Das folgende Video enthält eine kurze Vorstellung bzw. ein Tutorial:

Ansonsten gibt es mehr zu lesen auf der Website oder bei bei T3N.

Spannend bzw. überhaupt erwähnenswert finde ich das Projekt vor allem, weil Google zumindest in der Lage wäre, hier genug Ressourcen und Publicity einzusetzen, um das Projekt zu einem Erfolg werden zu lassen.

Und: Der Code steht als Open Source frei zur Verfügung: siehe Google Code.

Und die Welt ist doch gut – Open Source Engineering als Antwort auf die Herausforderungen von Entwicklungs- und Schwellenländern

Wir machen seit vielen Jahren Open Source, nutzen Open Source, leben Open Source. Wobei, stimmt das? „Leben“ wir wirklich Open Source, übertragen wir den Open Source Gedanken auf weitere Lebensbereiche, glauben wir wirklich immer daran, dass Sharing die Welt zu einem besseren Platz macht?

Zumindest das Team von Open Source Ecology tut das und wenn man sich fragt, was man nach der Softwarebranche unbedingt nochmal gemacht haben sollte: siehe oben 😉

Das Open Source Ecology Netzwerk hat in den 2 Jahren seit Bestehen das sogenannte „Global Village Construction Set“ entwickelt. Das ganze stellt eine als Open Source verfügbare, günstige und leistungsstarke technologische Plattform dar, mittels derer im do-it-yourself-Verfahren mehr als 50 verschiedene landwirtschaftliche oder industrielle Maschinen und Geräte gebaut werden können. Die Auswahl der konstruierten Maschinen orientiert sich daran, was was man für die Landwirtschaft, den Hausbau und die Herstellung wichtiger Güter benötigt.

Die Idee: Ein lebensgroßes „Lego-System“, mit dem man Menschen das Leben vereinfachen kann – in der ersten, aber auch und gerade in der dritten Welt. Finanziert 100%ig durch Crowd-Funding. Whow.

Ganz schön viele warme Worte. Und eigentlich braucht man für das Konzept nur eine viel knappere Einführung, zumindest war es das, was mich sofort begeisterte:

  1. Die Konstruktionspläne als Open Source.
  2. Die Videos.

Google Street View und der LDI NRW (Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit)

Ich bin erstaunt – wenngleich die Datenschützer (m.E. zu Recht) Google Street View das Leben bisweilen schwer gemacht haben, hat der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW anscheinend darauf verzichtet, das Bürogebäude verpixeln zu lassen:

Lobbying de luxe: Open Source freundliche Staaten sind böse!, so die IIPA

Das ist in der Tat eine interessanter Ansatz der amerikanischen „International Intellectual Property Alliance (IIPA)“ (siehe auch http://www.iipa.com/, wobei die Website aktuell zumeist down ist…): In ihrem Kampf gegen „das Böse“ Open Source versucht man nun, „Open Source freundliche“ Staaten in den „Special 301 review“ aufnehmen zu lassen.

Aber Punkt für Punkt: Wer genau ist die IIPA überhaupt? Die englische Wikipedia hat folgendes für uns:

The International Intellectual Property Alliance (IIPA), formed in 1984, is a private sector coalition of seven trade associations representing U.S. producers of content and materials protected by copyright laws, including computer software, films, television programs, music, books and journals (in both electronic and print media), with the aim of strengthening international protection and enforcement of copyright by working with U.S. government, foreign government and private sector representatives.

(…)

Andres Guadamuz, a lecturer in law at the University of Edinburgh discovered that IIPA is asking the US government to basically consider open source as the equivalent of piracy. IIPA is urging the United States government to consider countries like Indonesia, Brazil and India to be enemies of capitalism because of their use of open source software.

(…)

OK – eine Lobbygruppe, wie Eingangs bemerkt. Was genau ist nun dieser 301er Report (klingt ja fast nach 404er Fehler…)?

Dieser sogenannte „Special 301 review“ des Handelsbeauftragten (USTR = US-Trade Representative) erscheint jährlich und enthält eine Liste derjenigen Staaten, die US-Exporte behindern (Quelle) oder die keine Vereinbarungen mit der WIPO geschlossen haben bzw. die in ihrer eigenen Gesetzgebung keinen genügenden Schutz vor Urheberrechtsverstößen bieten.

Ok, soweit die Grundlagen. Was ist nun genau passiert? Golem.de hat sich freundlicherweise die Mühe gemacht, den entsprechenden Teil des Berichtes zu übersetzen, das übernehme ich hier mal:

In einem Bericht wirft die IIPA der indonesischen Regierung vor: „Indem die Regierung die freie Auswahl eingesetzter Technologie verhindere, schafft sie neue Handelsbarrieren und schränkt den gleichberechtigten Zugang aller IT-Firmen zum Softwaremarkt ein.“ Bezeichnenderweise kam die Empfehlung der indonesischen Regierung im Rahmen einer Aktion, die Softwarepiraterie im Land verhindern sollte. Viele öffentliche Einrichtungen verwenden illegal proprietäre Software. Die Regierung hatte in einem Rundschreiben angemahnt, entweder die illegalen Kopien durch den Kauf von Lizenzen zu legalisieren oder – wenn praktikabel – alternativ auf die Verwendung freier Software umzusteigen.

(Quelle: Golem.de)

Eigentlich kann das unmöglich deren Ernst sein -aber, wie Lobbyisten das so an sich haben: Man meint das anscheinend wirklich ernst.

Stellt sie die Frage, ob die US-Regierung bzw. ihr Handelsbeauftragter nun vor den Karren der IIPA spannen lässt oder nicht. Was Unternehmen wie IBM, RedHat, Sun & Co., für die Open Source durchaus ein Baustein der Company ist, dann davon halten ist die nächste Frage – zumindest müssten die USA dann konsequenterweise auch auf der 301er Liste auftauchen 😉

Ganz großartig und prägnant bringt das Dr. Oliver Diederich vom Heise Verlag auf den Punkt, in dem er auf Heise.de schreibt:

(…)

Nun kann man ja verstehen, dass die BSA – zu deren Mitgliedern unter anderem Adobe, Corel, Microsoft und SAP gehören – es doof findet, wenn Regierungen in Schwellenländern ihre Rechner lieber mit Linux und Open Source fahren, statt Geld für Softwarelizenzen auszugeben.

(…)

Aber eine mögliche Wettbewerbsverzerrung durch die Bevorzugung von Open Source als Gefahr für die Durchsetzung von Copyright-Ansprüchen zu präsentieren, das ist eine starke Nummer. Open Source als Gefahr für das Copyright? Nur ein paar Fakten zur Erinnerung: Die GPL nutzt gerade das Urheberrecht, um die Freiheit GPL-lizenzierter Software zu schützen. Viele Open-Source-Projekte (vor allem solche, hinter denen Unternehmen stehen) akzeptieren nur Code-Beiträge von Autoren, die ihr Copyright (beziehungsweise alle relevanten Verwertungsrechte) an das Projekt abgeben – eben weil das Copyright bei Open Source nicht egal ist.

Kurzum: Hier wird versucht, ein handelspolitisches Ziel – den freien Zugang zu bestimmten Märkten – mit einem politisch gerade angesagten Thema – die bessere Durchsetzung „geistiger Eigentumsrechte“ – zu verknüpfen. „Kampf gegen die Internet-Piraterie“ klingt ja auch besser als „Sicherung als der eigenen Pfründe“.

Quelle: Heise.de

Sehr lesenswert dazu auch:

In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten

Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.

Art. 11 Abs. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948

Jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig.

Art. 6 Abs. 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention

Gerade eben auf heise.de schockiert folgende Aussage der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries gelesen:

… Eine Strafbarkeit liege schon in dem Moment vor, wenn er nicht nachweisen könne, dass es sich um ein Versehen oder eine automatische Weiterleitung gehandelt habe. Generell mache sich strafbar, wer es unternehme, sich kinderpornografische Bilder und Schriften zu beschaffen. Die Strafandrohung liege dabei bei zwei Jahren. …

Man muss also beweisen das man unschuldig ist.

Wie soll man beweisen, dass jemand anderes per IP-Spoofing eine Zugangserschwerte Seite mit meiner IP aufgerufen hat?

(mit freundlicher Genehmigung von Tobias, gefunden hier)

Nun aber: Michael Monty Widenius verläßt MySQL / Sun

Nach der nun schon länger zurück liegenden Übernahme von MySQL durch Sun gab es natürlich schnell die Frage nach der Zukunft des MySQL Gründers Michael „Monty“ Widenius – und ebenso schnell das Gerücht, er wolle sein Unternehmen verlassen.

Diese o.g. Gerüchte stellten sich dann doch als etwas übereilt heraus – gleichwohl gaben sie die Richtung korrekt vor. Jetzt hat Monty Widenius in einem aktuellen Blogeintrag über die neusten Entwicklungen berichtet. Und das liest sich spannend.

Unter dem Titel „Time to move on“ startet er so:

I have now departed from Sun and joined my own company, Monty Program Ab.

Er hat also ein neues Unternehmen gegründet, die „Monty Program Ab„. Was diese genau tun soll, bleibt etwas nebulös und macht gleichzeitig neugierig:

This page will soon contain a lot of information and links to give you an idea of what Monty Program Ab does.

  • The Maria engine, a transactional storage engine for MySQL.
  • Mariadb, a branch of the MySQL database with the Maria storage engine.
  • NRE (Non-recurring engineering) projects we are working/considering to work on.
  • Open jobs.

We are also interested to work with and invest in disruptive technology start-up companies that do Open Source and community products. This is done through our investment company Open Ocean S.á.r.l

Nach Ruhestand klingt das nicht 😉  Gerade die Planungen für die „Monty Program Ab“ lesen sich spannend. Augenscheinlich hat Monty nach Jahren des Wachstums mit anschließendem Exit beim Verkauf von MySQL an Sun nur wenig Spass an der größer und somit unflexibler, uncooler werdenden Firma MySQL gehabt. Anders lassen sich solche Aussagen kaum deuten:

So what will Monty Program Ab and I be working on?

Monty Program Ab will be a true open source company, with the additional goal of being a smaller family oriented company (10-30 employees) where everyone can be owners of the company, where we care about our employees and
strive to have fun together and share the profit we create. You can find more about this at: http://zak.greant.com/hacking-business-models

Der Link ist lohnenswert, hier haben Monty und Zak Greant nämlich zusammen an einem „Manifest für Open Source Unternehmen“ gearbeitet. Das erscheint in der Form nicht aus dem Stand umsetzbar (weil z.B. international ganz andere Rahmenbedingungen für Steuern/Abgaben und Dinge wie Krankenversicherung gelten. Gleichwohl ist es ein visionäres Dokument, dass als Denkanstoss nützt. Und, findet man ein Team von vielen stark unternehmerisch denkenden Köpfen, kann man sich das schon vorstellen. Yes, we can? 🙂

Monty bleibt der Softwarebranche also erhalten, klasse. Nebenbei scheint Monty Widenius sein mit dem Exit aus MySQL erhaltenes Kapital sinnvoll in andere Companies einbringen zu wollen und wird Venture Capital Geber bzw. Inhaber eine VC Firma. Dieses neue Baby des MySQL Gründers hört auf den Namen „Open Ocean“ und ist auch die juristische Person hinter Montys erstem Investment in die Fa. IT Mill (siehe Blogpost dazu).

Neben der Vorstellung der neuen Aktivitäten erläutert Monty noch, was ihn offiziell zum Abschied von Sun bewogen hat. Die sehr detaillierte Begründung übernehme ich ausnahmsweise mal 1:1 und unübersetzt hier ins Blog:

I had told management that I thus would be submitting my resignation immediately as I strongly believed that the 5.1 release was not ready and that those problems needed to be fixed before it went GA. This action, together with other peoples´ efforts, did have the wanted effect and I made an agreement with Sun´s upper management to not initiate my resignation but instead stay around for three more months to help Sun work out things in MySQL Development and also give Sun a chance to create an optimal role for me within Sun.

The three months did stretch out to seven months, and the changes I had hoped Sun would apply to in the MySQL Database group to fix our development and community problems did not happen fast enough.

Sun and I concluded in the end that I have much higher chances of achieving my goals outside of Sun, so it’s just better to swallow the bitter apple, go out and get things going. We parted in good terms and we both expect to continue to do business and work together.

The main reason for leaving was that I am not satisfied with the way the MySQL server has been developed, as can be seen on my previous blog post. In particular I would have like to see the server development to be moved to a true open development environment that would encourage outside participation and without any need of differentiation on the source code. Sun has been considering opening up the server development, but the pace has been too slow.

I still think that Sun was the best possible buyer for MySQL and I feel sad that things didn’t work out together. Sun has a lot of good things going on and I hope that they will continue their path to create and promote Open source. I will be available for Sun in helping them with their goals in the Open source space.

Tutorial/Anleitung: RAM Upgrade/Arbeitsspeicher aufrüsten bei neuen MacBooks (MacBook Unibody Aluminium) – gilt auch für MacBook Pro 13“

Auch wenn die Rechner von Apple seit dem Schwenk auf Intel Macs (also alles ab Intel iMac, MacBook, MacBook Pro etc.) durchaus preislich konkurrenzfähig geworden sind: Speicher (RAM) kauft der kostenbewusste Nutzer besser nicht bei Apple selbst.

Es gibt ein paar Stimmen, die von unregelmäßigen Abstürzen bei der Verwendung von zugekauftem Arbeitsspeicher berichten – dies kann ich bei Verwendung von Marken-RAM (unserer kam von HSD, die „Großhandelsschwester“ von Gravis) glücklicherweise nicht bestätigen. Sicher supportet der Mac 4 GB RAM, auch wenn gerüchteweise auch 6 Gigabyte funktionieren sollen (bei uns sind es 4 GB).

Update:

Update 2:

Wir haben bei den nächsten MacBooks Kingston RAM verbaut (siehe oben, im Zweifel Marken Arbeitsspeicher nutzen…). Kingston bietet für RAM für MacBooks (Unibody / Aluminium) gleich in 2 fertigen Paketen an:

Update 3:

Mittlerweile sind ja auch die neuen MacBook Pro 13 Zoll da – für diese gilt die Anleitung und die RAM Empfehlung natürlich gleichlautend…

Der Einbau des RAM ist dann nicht besonders anspruchsvoll – wenn man passendes Werkzeug hat, keine zwei linken Hände besitzt und weiß, wie es geht. Und letzteres soll dieser Artikel liefern 😉

(Auf die Vorschaubilder klicken, um sie in Originalgröße anzuzeigen.)

Schritt 1:

  • MacBook ausschalten
  • alle Kabel trennen
  • auf den oberen Deckel legen

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Stop Softwarepatents 2008-2009: Petition zum Stopp von Softwarepatenten in Europa

stop-softwarepatentsDass Softwarepatente nur für Unternehmen Sinn machen, die sich statt mit der Entwicklung von guter (und somit konkurrenzfähiger!) Software mit dem Betrieb von grossen Rechtsabteilungen beschäftigen, dürfte im Open Source Bereich wohl die einhellige Meinung sein.

Da wir bei den Lesern dieses Blogs ein gewisses Maß an „OpenSource-Affinität“ unterstellen dürfen, möchten wir die Initiative stopsoftwarepatents.eu mit folgendem Apell unterstützen:

Bitte, liebe Leser, ruft die o.g. Website auf, unterzeichnet die Online-Petition und ersucht Eure Freunde, Kontakte, Euren Chef und die Kollegen darum, es Euch gleich zu tun.

Danke.

Wie die Politik uns vor Kinderpornographie schützen will (anstatt die Kinder davor zu schützen…)

Eigentlich ist es ja schon absurd, so einem technisch eher unterbelichteten Politiker noch ein Forum zu geben – aber seine aktuelle Verlautbarung ist wiederum so hanebüchen, dass ich wohl nicht anders kann…

Worum es geht? Um den Herrn Uwe Schünemann (CDU, Innenminister des Landes Niedersachsen, siehe auch Wikipedia-Eintrag), der laut einem bei Heise.de gefundenen Beitrag fürwahr ungewöhnliche Ideen hat, um Kinderpornographie zu bekämpfen. Leider hat Heise.de die Quelle nicht gekennzeichnet, im allgemeinen sind die Damen und Herren dort aber seriös genug, um ihnen zu glauben.

Seine Idee (grob verkürzt):

  1. Alle Internetprovider „freiwillig“ verpflichten, ihren Kunden nur noch bei Verwendung eines Contentfilters Internetzugang zu ermöglichen.
  2. Damit den Zugriff auf Kinderporno und anderen rechtswidrigen Inhalt unterbinden.

Ein Zitat hat Heise.de auch noch beigesteuert:

Mit dieser Selbstverpflichtung wird bereits beim Internet-Kunden die Möglichkeit zum Zugriff auf kinderpornografisches Material unterbunden

sagte Schünemann.

Das ist deutlich besser, als wenn die Sicherheitsbehörden mühevoll jeden Verstoß gegen Kinderpornografie aufspüren und verfolgen sowie die Sperrung jeder kinderpornografischen Seite erreichen müssen.

Auf den ersten Blick könnte man sich die Frage stellen, was denn neben der technischen Unkenntnis des Mannes daran zu kritisieren wäre, ist doch „Fight against child porn“ stets ein hehres Ziel. Ja, ein hehres Ziel ist es, gleichwohl heiligt der Zweck eben nicht die Mittel. Es summieren sich da ein paar Probleme, die m.E. ein wenig beeindruckendes Licht auf den Innenminister Niedersachsens werfen:

  1. Der Vorschlag ist technisch kaum überhaupt durchführbar und greift, wenn überhaupt, nur auf Deutschem Staatsgebiet.
  2. Der Vorschlag kommt der Einführung einer flächendeckenden Inhaltskontrolle gleich, die mit unserem Rechtsstaat keinesfalls zu vereinbaren ist.
  3. Bekämpfung von Kinderpornographie und der widerlichen Machenschaften der Drahtzieher ist keineswegs gleichzusetzen mit dem Ausblenden des illegal entstandenen Materials.
  4. Die Aussage, dass eine vorsorgliche Filterung „immer noch besser sei“ als „mühevoll jeden Verstoß gegen Kinderpornografie aufspüren und verfolgen“ zu müssen, ist zynisch – und das ist noch arg euphemistisch formuliert.

Das passt aber eigentlich ganz gut ins Bild bei Herrn Schünemann -er war ja bereits aufgefallen mit einem Gesetz zur „präventiven Telefonüberwachung“, einem Vorschlag für elektronische Fussfesseln und Bürgerwehren, diversen unqualifizierten Forderungen zum „Verbot von Killerspielen“. Ferner zeichnete sich Herr Schünemann durch einen eher lockeren Umgang mit Bürgerrechten aus, wenn nur das Wort „Terrorbekämpfung“ fiel. (Alles nachzulesen im o.g. Wikipedia-Artikel und durch eine kurze Google Suche).

Erschreckend ist ja daran gar nicht, dass jemand groben Unsinn redet, um sich wichtig zu tun – das tun jeden Tag Millionen Menschen am Kneipentresen. Nun gut, etwas Differenzierung tut vielleicht Not: Diese Menschen machen zumeist keine Gesetze und sind nicht als Innenminister tätig, ergo haben ihre Halbwahrheiten nicht allzu grosse Konsequenzen.

Stellt sich die Frage, warum man eigentlich als Politiker nicht eine gewisse fachliche Eignung nachzuweisen hat. Das wäre auch nur fair – Wenn ich in Deutschland ein Segelbötchen oder auch nur eine Mofa fahren will, brauche ich einen entsprechenden Führerschein, wenn ich Hunde züchten mag eine entsprechende Lizenz etc. pp…

Verordnung zur Pflichtablieferung von Netzpublikationen an die Deutsche Nationalbibliothek stiftet Verwirrung & Aufregung

Am vergangenen Mittwoch (22.10.1008) trat die Verordnung zur Pflichtablieferung von Netzpublikationen (siehe PDF) an die Deutsche Nationalbibliothek in Kraft – es berichteten viele Medien, u.a. natürlich Heise, wo sich erwartungsgemäß eine hohe Aktivität in den Foren einstellte 🙂

Worum geht es dabei? Die Nationalbibliothek soll ja die Kultur bzw. das Wissen des „Landes der Dichter & Denker“ archivieren – und soll dies nun nicht nur für das gedruckte, sondern auch für das digital verbreitete Wort tun – es geht also tendentiell schon darum, das deutschsprachige Internet zu archivieren. Jedem Techniker muss das als ein hanebüchener Plan vorkommen, ist das Internet nunmal heutzutage nicht eine Ansammlung von statischen HTML-Dokumenten, sondern zu einem großen Teil eine stets dynamisch erzeugte Landschaft, die mittels MashUps und Aggregation Inhalte immer wieder neu erzeugt. User Generated Content tut sein übriges zur Vielfalt und zum steten Wandel des Webs.

Ist die Archivierung des kulturellen Erbes (sei es digital oder analog verfügbar) prinzipiell auch eine gute Sache, so blieb bisher recht unklar, was genau nun von der Verordnung umfasst wird.

Müssen Unternehmen alle ihre Websites dort abliefern? Was gilt für Blogs, was für Portale mit UGC (User Generated Content)? Und überhaupt – wie kommt man auf die Idee, dass Inhaltsanbieter ihre Inhalte „abliefern“ sollen, und das auch noch vielleicht als PDFs? Verwirrung & Aufregung mischen sich mit Spekulationen.

Schon Mitte letzten Jahres, als das Thema erstmalig durch die Medien ging, frohlockte z.B. Robert Basic, dass sein Blog in die Nationalbibliothek aufgenommen werde.

Neben der inhaltlichen Frage, ob man seine eigenen Inhalte nun abliefern muss und ob man bei Nichtbeachtung tatsächlich Strafen bis 10.000 EUR befürchten müsse, kam schnell auch die Beschäftigung mit dem modus operandi aufs Tablett: Dynamische Websites bzw. datenbankgestützte Anwendungen sind unter Umständen nicht so ohne weiteres exportierbar. Einige Blogger und Websitebetreiber sahen sich schon in der Pflicht, der Nationalbibliothek gleich die gesamte Anwendung nebst Datenbank zu liefern und warfen die Frage auf, ob man zur Abgabe einer lauffähigen Kopie nicht gleich noch das Betriebssystem und die Datenbanksoftware mitliefern müsse – ein schräger Gedanke, der aber die Nutzung von Open Source Software durchaus befördern könnte 🙂

Nachdem die Netzgemeinde aktuell erneut an die weltfremd erscheinende Verordnung erinnert wurden, machten sich viele daran, die konkreten Auswirkungen bzw. Pflichten zu erörtern. So z.B. Peter Schink, der nach einem Anruf bei der Nationalbibliothek erstmal Entwarnung gibt: Aktuell interessiere man sich nur für e-Books.

Wikipedistik fragt, ob man denn heute schon die Wikipedia abgeliefert habe und unterstellt eine Regelungslücke für den Wikipedia Content, der ja nicht von einem, sondern potentiell von n Autoren abzuliefern sei.

Ein Fazit zieht nach genauer Betrachtung der Thematik der Telemedicus mit den Worten „Stillhalten und nichts machen“ – eine Archivierung von Webseiten erfolge nach seinen Informationen bisher nicht.

Auch Dr. Bahr geht erstmal davon aus, dass die Umsetzung durch die NB so schnell nicht starten wird, stellt aber korrekt klar, dass die Regelungen ein erschreckendes Niveau haben – „Regelungslücke“ wäre noch geschmeichelt.

War die Verordnung (s.o.) ein eher unklar formuliertes Konstrukt, sollten die FAQ der Nationalbibliothek (also der Stelle, die das letztlich umsetzen muss) hoffentlich hilfreicher sein.Wie die hier im Beitrag zitierten Blogeinträge/Quellen ja auch schon andeuten, ist die FAQ leider zur abschließenden Kärung nicht geeignet – vermutlich ist man dort aktuell nur damit beschäfigt, Rückfragen per Mail zu klären und komt so nicht zur Ergänzung der FAQ 🙂

Ich habe einen Auszug aus einer Mail weitergeleitet bekommen, welche die Nationalbibliothek einem Anfrager zustellte. Spätestens das sollte eine Entwarnung sein, wenn man ein Gefühl für die Langsamkeit der Mühlen des Staates hat:

(…) derzeit  erlaubt es der Stand der technischen Entwicklung in der Deutschen Nationalbibliothek noch nicht, ganze Websites zu sammeln. In ferner Zukunft soll dies durch Webharvesting geschehen.(…)

O.K., erst in „ferner Zukunft“ soll es losgehen – mal schauen, ob das 2020 schon in Betrieb ist 🙂

Mir selbst antwortete die Nationalbibliothek zusätzlich mit diesem Textschnippsel:

(…) Ihrerseits ist z. Zt. also keine Ablieferung erforderlich. Wir werden Sie vormerken und zu gegebener Zeit wieder auf Sie zukommen. Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen gerne unter np-info@d-nb.de oder
telefonisch unter 069/1525-1320 zur Verfügung.(…)

Man kann also nicht davon ausgehen, dass dieser Zustand anhalten wird – „vorgemerkt sein“ klingt im Zusammenhang mit den potentiell im Raum stehenden Strafandrohungen bei Nichtablieferung durchaus wie eine Drohung.Ich werde weiter berichten, wenn sich das Bild konkretisiert…


Update/Ergänzung – Mir sind noch weitere lesenswerte Blogeinträge zu dem Thema aufgefallen: